Digitalisierung · 5. August 2026 · 6 Min.
KI im Entwurf: Werkzeug, nicht Autor
Generative Werkzeuge liefern in Minuten hunderte Varianten. Die eigentliche Arbeit beginnt danach: bei der Frage, welche davon trägt.

Was die Werkzeuge heute leisten
Generative Software durchsucht Lösungsräume schneller, als es von Hand möglich wäre. Bei Volumenstudien, Belegungsvarianten oder der Optimierung von Fensterflächen gegen Wärmeeinträge ist das ein echter Gewinn: Wir sehen früher, welche Richtungen sich lohnen und welche nicht.
Auch in der Ausführungsplanung hilft Automatisierung. Kollisionsprüfungen zwischen Tragwerk und Haustechnik, Mengenauszüge, Varianten von Detailanschlüssen: Aufgaben mit klaren Regeln und prüfbarem Ergebnis. Wir nutzen diese Werkzeuge dort, wo sie Zeit freispielen für die Fragen, die Urteilsvermögen brauchen.
Wo die Grenze liegt
Ein Modell kennt keinen Ort. Es weiss nicht, dass das Wohnzimmer des Nachbarn nach Süden liegt, dass die Gemeinde bei der Firsthöhe empfindlich ist oder dass die Bauherrschaft in fünf Jahren eine Generation mehr im Haus unterbringen möchte. Es optimiert, was messbar ist, und übersieht, was zählt.
Der zweite Punkt ist Verantwortung. Für ein Bauwerk haftet ein Mensch mit Namen und Berufsregister-Eintrag. Ein Vorschlag aus einem Modell ist ein Vorschlag, bis jemand ihn prüft, anpasst und unterschreibt. Diese Prüfung ist keine Formalie, sondern der Kern des Berufs.
Wie wir damit arbeiten
Wir setzen generative Werkzeuge in der frühen Phase ein, um Varianten zu erzeugen, und bewerten sie anschliessend an denselben Kriterien wie jeden anderen Entwurf: Fügt sich das Volumen in den Kontext? Sind die Grundrisse in zwanzig Jahren noch brauchbar? Stimmt das Verhältnis von Aufwand und Wirkung?
Was bleibt, ist unsere Handschrift und unsere Verantwortung. Die Werkzeuge verkürzen den Weg zur Auswahl. Die Auswahl selbst treffen wir.
Ein Beispiel aus der eigenen Werkstatt
Für eine kleine, freistehende Raumeinheit im Garten haben wir mit einem generativen Werkzeug rasch mehrere Kubaturen durchgespielt, ohne konkrete Parzelle, ohne Bauherrschaft, rein als Formstudie. Die beiden Bilder zeigen zwei solche KI-generierten Varianten: ein eingeschossiger Pavillon und ein zweigeschossiger Kubus, beide in Holzverkleidung.
Zur Einordnung: Das sind Visualisierungen aus der Werkzeugerprobung, keine Fotos eines realisierten Projekts und keine Machbarkeitsstudie für ein bestehendes Grundstück. Genau das ist der in diesem Beitrag beschriebene Nutzen, und genau dort hört er auch auf: Für ein echtes Grundstück braucht es danach die eigentliche Arbeit.


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